Das markante Dortmunder U Gebäude bei blauem Himmel in der Innenstadt von Dortmund.

Museum Ostwall: Neue Ausstellung fordert Dialog in Dortmund

Wie finden wir den Weg zurück in den Dialog, wenn die Fronten verhärtet sind? Das Museum Ostwall im Dortmunder U stellt genau diese Frage in den Mittelpunkt seiner neuen Sammlungspräsentation „let’s talk. sprechen über kUNSt“. Vom 5. September 2026 bis zum Frühjahr 2029 verwandelt das Museum die Ebenen 4 und 5 in einen Raum für Begegnung, Perspektivwechsel und kontroverse Debatten.

Ein Geschenk als Ausgangspunkt

Direkt beim Betreten der fünften Ebene begegnen Besucherinnen und Besucher einer Vielzahl von Gesichtern. Schwarz-Weiß-Porträts aus Jochen Gerz’ Projekt „Das Geschenk“ dominieren die Wand. Die Installation basiert auf einer Aktion aus dem Jahr 2000, bei der sich über 5.500 Menschen aus dem Ruhrgebiet fotografieren ließen. Das Besondere: Niemand erhielt das eigene Bild, sondern das Porträt eines Fremden. Dr. Nicole Grothe, Kuratorin der Präsentation, sieht darin eine bewusste Aufforderung: Wir sollen die Gegenwart des anderen als Geschenk begreifen – selbst wenn wir uns das Gegenüber nicht ausgesucht haben.

Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Konflikte

Die Ausstellung verzichtet auf eine rein statische Anordnung. Werke von Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Ina Weber oder Joseph Beuys werden in einen neuen Kontext gesetzt, der die Brücke zum Dortmunder Alltag schlägt. Während einige Exponate von zwischenmenschlichen Beziehungen erzählen, machen andere – etwa von Andreas Langfeld oder Ketty La Rocca – Konflikte und Kommunikationsbarrieren sichtbar. Timm Ulrichs’ Arbeit „Wolf im Schafspelz“ spielt gezielt mit dem Misstrauen und der Frage, was sich hinter gesellschaftlichen Fassaden verbirgt. Unter dem Titel „Verstehst du mich?“ thematisieren zudem Arbeiten von Wolf Vostell und Joseph Beuys das Scheitern von Kommunikation.

Interaktion statt passiver Betrachtung

Wo Worte allein nicht ausreichen, setzt das Museum auf gemeinsames Handeln. Besucherinnen und Besucher können an interaktiven Stationen Platz nehmen, etwa um Musik zu machen oder sich an einer Schreibstation auszutauschen. Ein besonderes Highlight ist der Boxring auf Ebene 4: Er wird an drei Wochenenden zur Bühne für die Performance „Kirkpinar“ von Caner Teker. Die queere Bearbeitung des türkischen Ölwrestlings bricht mit klassischen Sieger-Narrativen und fokussiert stattdessen auf das gegenseitige Stützen und Tragen. Die erste Performance findet am 7. November statt.

Digitale Vermittlung und Teilhabe

Das Museum Ostwall integriert neue digitale Wege der Vermittlung. Die eigens entwickelte KI „MOKI“ steht für Fragen zu Werken von K. O. Götz und August Macke bereit, während der Bereich „Flux Inn“ als Ort für den Austausch zwischen Gästen konzipiert ist. Die Ausstellung ist ein dynamischer Prozess: Mit Unterstützung des MO_Beirats wurden unterrepräsentierte Künstlergruppen stärker in den Fokus gerückt, darunter Neuzugänge wie die südafrikanische Künstlerin Billie Zangewa.

Was Leser wissen müssen

Die Ausstellung „let’s talk. sprechen über kUNSt“ ist für alle Interessierten bei freiem Eintritt zugänglich. Das Museum bietet ein breites Begleitprogramm an, das spezielle Formate für Schulklassen, Familien, Kitas sowie Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen umfasst. Auch Führungen für „Kunst-Muffel“ sind Teil des Angebots, um den Zugang zur Sammlung niedrigschwellig zu gestalten.

Quelle: City of Dortmund Press Releases

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