Von der EuroSuc-Redaktion · 5. Oktober 2026
Am vergangenen Wochenende wurde der Tag der Deutschen Einheit begangen. Der Feiertag erinnert an den 3. Oktober 1990: An diesem Tag wurde die staatliche Teilung Deutschlands beendet. Der Mauerfall lag damals bereits fast elf Monate zurück. Wer beide Ereignisse auseinanderhält, versteht auch, warum Deutschland seine Einheit im Oktober feiert und nicht am Jahrestag der geöffneten Berliner Mauer im November.
Der Mauerfall öffnete die Grenze, beendete aber nicht die DDR
Am 9. November 1989 öffneten sich die Grenzübergänge zwischen Ost- und Westberlin. Bilder von Menschen auf der Berliner Mauer wurden zum Sinnbild für das Ende der Teilung. Politisch und rechtlich war Deutschland an diesem Abend jedoch noch nicht wiedervereinigt: Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) bestanden weiter als zwei Staaten.
Der Mauerfall veränderte die Lage grundlegend. Menschen konnten Grenzen überwinden, die ihren Alltag und ihre Familien über Jahrzehnte getrennt hatten. Zugleich begann eine politische Aufgabe, die weit über das Öffnen von Schlagbäumen hinausging. Es musste entschieden werden, auf welchem Weg die DDR Teil der Bundesrepublik werden sollte, welche Regeln künftig gelten würden und wie die äußeren Fragen der Einheit zu lösen waren.
Deshalb bezeichnen „Mauerfall“ und „Wiedervereinigung“ zwei verschiedene Schritte. Der erste steht für die Öffnung der Grenze im November 1989. Der zweite bezeichnet die Herstellung eines gemeinsamen deutschen Staates im Oktober 1990. Dazwischen lagen Verhandlungen und Beschlüsse, ohne die aus der geöffneten Grenze noch kein einheitlicher Staat geworden wäre.
Was zwischen November 1989 und Oktober 1990 geschah
Die Monate nach dem Mauerfall waren keine bloße Wartezeit auf einen bereits feststehenden Termin. In der DDR wurde über ihre politische Zukunft entschieden; beide deutschen Staaten verhandelten über die Bedingungen der Einheit. Auch die vier Mächte, die nach dem Zweiten Weltkrieg besondere Rechte und Verantwortung für Deutschland als Ganzes hatten, waren an der Klärung der äußeren Fragen beteiligt.
Eine kurze Chronologie zeigt, wie aus dem Umbruch ein verbindlicher staatlicher Schritt wurde:
- 9. November 1989: Die Berliner Mauer wird durch die Öffnung der Grenzübergänge durchlässig.
- 18. März 1990: Die DDR wählt erstmals eine Volkskammer in freier Wahl.
- 1. Juli 1990: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen Bundesrepublik und DDR tritt in Kraft.
- 23. August 1990: Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik mit Wirkung zum 3. Oktober.
- 31. August 1990: Bundesrepublik und DDR unterzeichnen den Einigungsvertrag.
- 12. September 1990: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelt zentrale äußere Fragen der deutschen Einheit.
- 3. Oktober 1990: Der Beitritt wird wirksam; Deutschland ist staatlich vereint.
Diese Stationen erklären auch, weshalb der 3. Oktober mehr ist als ein nachträglich gewählter Gedenktag. Das Datum bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem eine zuvor beschlossene und vertraglich geregelte Veränderung tatsächlich wirksam wurde. Es verbindet den Feiertag mit einem klar bestimmbaren Ereignis.

Was am 3. Oktober 1990 rechtlich geschah
Die DDR trat der Bundesrepublik Deutschland nach dem damals geltenden Artikel 23 des Grundgesetzes bei. Mit dem Wirksamwerden des Beitritts hörte die DDR als eigenständiger Staat auf zu bestehen. Die fünf wiedererrichteten ostdeutschen Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Länder der Bundesrepublik. Auch Berlin war fortan als Ganzes Teil des vereinten Deutschlands.
Das ist für die historische Einordnung wichtig: Am 3. Oktober entstanden nicht zwei Staaten neu aus dem Nichts. Die Bundesrepublik bestand fort und erstreckte sich nun auch auf das Gebiet der bisherigen DDR. Das Grundgesetz galt im vereinten Deutschland. Der Ausdruck „Wiedervereinigung“ beschreibt das Ergebnis im allgemeinen Sprachgebrauch; der rechtliche Weg dorthin war der Beitritt der DDR.
Für die Menschen bedeutete die staatliche Einheit zugleich keinen Abschluss sämtlicher Veränderungen. Verwaltungen, Betriebe, Schulen und soziale Sicherungssysteme mussten auf neue Regeln umgestellt werden. Lebensläufe und wirtschaftliche Bedingungen entwickelten sich nach 1990 unterschiedlich. Der Feiertag markiert daher einen eindeutigen staatsrechtlichen Einschnitt, ohne alle Folgen der Einheit auf ein einziges Datum zu verkürzen.
Warum der Nationalfeiertag nicht auf den 9. November fällt
Der Einigungsvertrag bestimmte den 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit und zum gesetzlichen Feiertag. Damit erinnert der Nationalfeiertag an den vollzogenen Zusammenschluss der Staaten. Der 9. November bleibt als Jahrestag des Mauerfalls ein entscheidendes Datum auf dem Weg dorthin, bezeichnet aber nicht den Tag der staatlichen Einheit.
Hinzu kommt, dass der 9. November in der deutschen Geschichte mehrere, sehr unterschiedliche Bedeutungen hat. Am 9. November 1938 begannen die nationalsozialistischen Novemberpogrome gegen jüdische Menschen, ihre Einrichtungen und Geschäfte. Der Tag kann deshalb nicht allein als freudiger Jahrestag des Mauerfalls betrachtet werden. Der 3. Oktober gibt dem Nationalfeiertag ein eigenes Datum, das unmittelbar mit dem Inkrafttreten der Einheit verbunden ist.
Wenn nach den Feiern vom Wochenende erneut Bilder der Maueröffnung zu sehen sind, hilft diese einfache zeitliche Unterscheidung: 1989 fiel die Grenze, 1990 wurde die staatliche Einheit vollzogen. Wer die einzelnen Schritte und ihre Folgen weiter nachlesen möchte, findet Hintergrundmaterial bei der Bundeszentrale für politische Bildung.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
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Quellenprüfung Historischer Hintergrund
Der Beitrag ordnet Mauerfall und staatliche Einheit zeitlich ein und verweist für vertiefende Informationen auf die Bundeszentrale für politische Bildung.
- Datum der Maueröffnung: 9. November 1989
- Wirksamwerden des Beitritts der DDR: 3. Oktober 1990
- Festlegung des Tags der Deutschen Einheit im Einigungsvertrag
- Quelle
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-10-05 07:32
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