Eine Wand aus Paketen mit Fotos, die humanitäre Hilfe und internationale Verbundenheit symbolisieren.

Was drei Freiwillige nach einem Jahr Reutlingen mitnehmen

Von der EuroSuc-Redaktion | 14. August 2026

Beim Abschiedsfest auf dem Listhof wurde deutlich, wie eng drei junge Menschen aus Côte d’Ivoire innerhalb eines Jahres mit Reutlingen verbunden waren. Tiélourougo Tuo, Raoul Kouamé und Gaoussou Saganogo stehen kurz vor ihrer Rückkehr nach Bouaké – mit neuen Freundschaften, gewachsenem Selbstvertrauen und Erinnerungen an einen Alltag, der anfangs keineswegs leicht war.

Seit September 2025 waren die drei im Rahmen des Programms Weltwärts beim Kolpinghaus, im Jugendhaus Orschel-Hagen und im Umweltbildungszentrum Listhof tätig. Nach Angaben der Stadt Reutlingen profitierten sowohl die Freiwilligen als auch ihre Einsatzstellen von dem Austausch.

Ein kalter Winter und das Gefühl, nicht allein zu sein

Für Tiélourougo Tuo begann das Jahr mit einer doppelten Umstellung. Der Reutlinger Winter war für sie ungewohnt, zeitweise fühlte sie sich einsam. Halt fand sie bei den Ansprechpartnern ihrer Einsatzstelle und des Städtepartnerschaftsvereins sowie bei den Menschen, die sie im Laufe der Monate kennenlernte.

Am Ende überwiegt für Tuo die Erfahrung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie nehme viele Begegnungen und schöne Erinnerungen mit, vor allem aber mehr Selbstvertrauen und die Gewissheit, Herausforderungen auch nach einem schwierigen Start zu meistern.

Gaoussou Saganogo fand einen besonders engen Bezug zu seiner Gastfamilie. Sie habe ihn wie ein eigenes Familienmitglied aufgenommen und ihm während des gesamten Aufenthalts geholfen. Auch die Begegnungen im Team Hiller, einer Reutlinger Sportinitiative von Professor Dr. Gotthilf Hiller, werden ihm fehlen.

Uno, Tischtennis und ivorische Gerichte im Jugendhaus

Raoul Kouamé erinnert sich weniger an einzelne große Ereignisse als an die vielen gemeinsamen Stunden im Jugendhaus Orschel-Hagen. Mit Kindern und Jugendlichen spielte er Uno Zero, Tischtennis, Tischkicker und Billard. Beim gemeinsamen Backen und Kochen kamen auch Spezialitäten aus Côte d’Ivoire auf den Tisch.

Was drei Freiwillige nach einem Jahr Reutlingen mitnehmen

Überrascht habe ihn, wie offen und hilfsbereit ihm Menschen in Reutlingen begegneten. Ihre Fragen über Bouaké und sein Heimatland führten schließlich dazu, dass Kouamé im Jugendhaus einen eigenen Vortrag über Côte d’Ivoire hielt. Aus alltäglichen Freizeitangeboten wurde so ein direkter Austausch zwischen jungen Menschen, die zuvor nur wenig voneinander wussten.

Auch die beteiligten Einrichtungen zogen beim Abschied am 12. August eine positive Bilanz. Kinder, Jugendliche und Teams hätten durch die drei Freiwilligen neue Perspektiven kennengelernt. Der Gewinn des Jahres lag damit nicht allein bei den Gästen aus Bouaké, sondern ebenso bei den Menschen in ihren Reutlinger Einsatzstellen.

Eine Städtepartnerschaft mit festem Austauschprogramm

Die ersten jungen Freiwilligen aus Bouaké kamen 2016 nach Reutlingen. Seither gehört der Freiwilligendienst zum festen Programm der Partnerschaft mit der zweitgrößten Stadt Côte d’Ivoires. Finanziell gefördert wird er vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; vor Ort trägt ihn der Städtepartnerschaftsverein Reutlingen-Bouaké.

Die Auswahl erfolgt gemeinsam mit AREBO, dem Partnerverein in Bouaké. Nach Angaben der Betreuerin Sibylle Hahn ist das Interesse jedes Jahr groß. Bewerberinnen und Bewerber müssen bereits gut Deutsch sprechen, sich in ihrer Heimat ehrenamtlich engagieren und zu den vorgesehenen Einsatzstellen passen. Dadurch sollen sie einschätzen können, was sie in Deutschland erwartet.

Vier neue Freiwillige kommen Ende August

Der Austausch wird unmittelbar fortgesetzt: Ende August 2026 sollen vier neue Freiwillige aus Bouaké in Reutlingen eintreffen. Erstmals beteiligt sich auch die Volkshochschule als Einsatzstelle. Darüber hinaus ist nach Angaben der Stadt noch ein zusätzlicher Einsatzplatz frei.

Für 2028 können sich Einrichtungen aus Kultur, Sozialarbeit, Pädagogik, Umwelt- und Naturschutz oder Sport bei Sibylle Hahn vom Städtepartnerschaftsverein melden. Vor diesem nächsten Kapitel steht jedoch der persönliche Abschied der drei bisherigen Freiwilligen. Raoul Kouamé beschreibt, was davon bleibt: „Ein Teil meines Herzens wird immer in Reutlingen bleiben.“

Quelle: City of Reutlingen News

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