Eine Gruppe von fünf Personen posiert vor einer historischen Kirche mit technischen Messgeräten.

Wie Mönchengladbachs Nächte künftig kühler werden sollen

Ein weißer Sensor am Laternenpfahl nahe der Evangelischen Hauptkirche in Rheydt misst, was in heißen Sommernächten besonders spürbar wird: ob kühlere Luft aus Grün- und Freiflächen in dicht bebaute Quartiere gelangt. Mönchengladbach und Viersen haben dafür ein gemeinsames Messnetz mit 60 Stationen aufgebaut. Die Daten sollen zeigen, wo Kaltluft entsteht, welche Wege sie nimmt und wo sie bei der Abkühlung der Städte helfen kann.

49 der Stationen stehen in Mönchengladbach, weitere in Viersen. Das Smart-City-Projekt ist Teil der Maßnahme KlimaPlus und untersucht die Strömungen über einen längeren Zeitraum.

Messachsen reichen von Feldern bis zum Marktplatz Rheydt

Die Sensoren wurden entlang sogenannter Transekte verteilt. Diese Messachsen führen von Freiflächen und Grünräumen über Übergangsbereiche bis in dicht bebaute, stark versiegelte Quartiere. So lassen sich Werte aus unterschiedlichen Stadträumen direkt gegenüberstellen.

Wie Mönchengladbachs Nächte künftig kühler werden sollen

In Mönchengladbach reichen die untersuchten Bereiche von Ackerflächen in Mülfort über den renaturierten Bungtbach, Hoven und den Geropark bis zu urbanen Vergleichsflächen am Marktplatz Rheydt, im Zentrum und an der Landgrafenstraße. In Viersen gehört unter anderem der Bereich Löhweg und Petersstraße zum Netz.

Kaltluft bildet sich vor allem in klaren, windschwachen Nächten. Wiesen, Felder und Parks kühlen dann stärker ab als bebaute Flächen. Die bodennahe Luft wird kälter und schwerer; bei ausreichendem Gefälle kann sie in tiefer gelegene Bereiche strömen und aufgeheizte Quartiere abkühlen.

Wie Mönchengladbachs Nächte künftig kühler werden sollen

Temperatur, Wind und Bodenfeuchte liefern das Bild der Nacht

Die fest installierten Stationen erfassen Temperatur, Wind und Bodenfeuchte. Der Temperatursensor sitzt in einem weißen Metallgehäuse mit spiralförmigem Lüftungsschlitz. Windfahne und Löffelrad messen Richtung und Stärke des Winds, die Funktechnik sendet die Daten über LoRaWAN in Echtzeit an die städtischen Server.

Zum Auftakt ergänzen eine Messdrohne und ein nächtliches Messfahrzeug die stationären Daten. Beide kommen nach Angaben der Städte nur einmal zum Einsatz, um bestimmte Wetterlagen genauer zu erfassen. Die dauerhafte Beobachtung übernehmen die fest installierten Sensoren.

Wie Mönchengladbachs Nächte künftig kühler werden sollen

Daten sollen Freiflächen und Luftwege sichtbar machen

Bislang fehlen für eine langfristige Untersuchung hochaufgelöste Messdaten zu den nächtlichen Kaltluftströmen. Die Städte wollen mit dem neuen Netz nachvollziehen, wo Luftbewegungen gebremst werden und an welchen Grün- oder Freiflächen die kühlende Wirkung besonders gut ausfällt.

Daniel Brown, Chief Digital Officer der Stadt Viersen, beschreibt das Ziel als Betrachtung des gesamten Zusammenhangs: von der Entstehung der Kaltluft über ihre Bewegung bis zu ihrer Wirkung in der Stadt. Chris J. Demmer, Smart-City-Koordinator in Mönchengladbach, erwartet daraus Hinweise für Klimaanpassung und Stadtplanung.

Erste Karten und Vorhersagen erst nach ausreichenden Messwerten

Sobald genügend Daten vorliegen, sollen die ersten Auswertungen beginnen. Perspektivisch könnten daraus Karten und Vorhersagen zu Kaltluftströmen entstehen. Anschließend wollen Mönchengladbach und Viersen prüfen, wie das Messnetz dauerhaft für Stadtentwicklung und Klimaanpassung genutzt werden kann.

Das Projekt wird im Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ umgesetzt. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen übernimmt laut Stadt 90 Prozent der Kosten, Mönchengladbach trägt einen Eigenanteil von zehn Prozent.

Quelle: City of Moenchengladbach Newsroom

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten