Blick von der USS Missouri auf die USS Arizona Gedenkstätte in Pearl Harbor.

2. September 1945: Warum der Weltkrieg später endete

Am 2. September 1945 unterzeichnete Japan an Bord der USS Missouri in der Bucht von Tokio die formelle Kapitulationsurkunde. Erst damit war der Zweite Weltkrieg auch im asiatisch-pazifischen Raum offiziell beendet – fast vier Monate nach dem Ende der Kämpfe in Europa. Der 8. Mai und der 2. September bezeichnen deshalb zwei unterschiedliche Stationen desselben globalen Kriegsendes.

Von der EuroSuc-Redaktion | Historischer Überblick zum 2. September 1945

Der 8. Mai beendete den Krieg in Europa

Der 8. Mai 1945 steht in Deutschland und weiten Teilen Europas für die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Eine erste Kapitulationsurkunde war bereits am 7. Mai im französischen Reims unterzeichnet worden. Sie legte fest, dass die Kampfhandlungen am späten Abend des 8. Mai eingestellt werden sollten.

Auf sowjetisches Drängen folgte in Berlin-Karlshorst eine weitere Unterzeichnung durch Vertreter des Oberkommandos der Wehrmacht und der alliierten Streitkräfte. Wegen der Zeitverschiebung war es in Moskau bereits der 9. Mai. Das erklärt, warum Russland und mehrere andere frühere Sowjetrepubliken den Sieg über das nationalsozialistische Deutschland traditionell einen Tag später begehen.

Mit diesen Kapitulationen endete der Krieg jedoch nur auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Japan kämpfte im Pazifik und in Teilen Ost- und Südostasiens weiter gegen die Vereinigten Staaten, China, Großbritannien und weitere Alliierte. Der Zweite Weltkrieg war ein globaler Konflikt; sein europäisches Ende konnte daher nicht automatisch sein weltweites Ende sein.

Warum Japan im Mai 1945 noch nicht kapitulierte

Das japanische Kaiserreich hatte sich der deutschen Kapitulation nicht angeschlossen. Seine Streitkräfte kontrollierten weiterhin Gebiete außerhalb der japanischen Hauptinseln, während die Kämpfe im Pazifik anhielten. Beide Seiten bereiteten sich auf eine mögliche Fortsetzung des Krieges vor.

Die Alliierten formulierten ihre Forderungen am 26. Juli 1945 in der Potsdamer Erklärung. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China verlangten darin die bedingungslose Kapitulation der japanischen Streitkräfte. Zugleich kündigten sie weitreichende Besatzungs- und Entmilitarisierungsmaßnahmen an. Japan nahm die Bedingungen zunächst nicht an.

Im August beschleunigten mehrere Ereignisse die Entscheidung:

2. September 1945: Warum der Weltkrieg später endete
  • Am 6. August wurde eine Atombombe über Hiroshima abgeworfen.
  • Am 8. August erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg.
  • Am 9. August folgte der Atombombenabwurf auf Nagasaki.
  • Am 10. August ließ Japan seine Bereitschaft zur Annahme der Potsdamer Erklärung übermitteln, verband sie zunächst aber mit einer Bedingung zur Stellung des Kaisers.
  • Am 14. August fiel die endgültige Entscheidung zur Annahme der alliierten Bedingungen.

Diese Abfolge lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Die Atombombenabwürfe, der sowjetische Kriegseintritt, die militärische Lage und die innerjapanischen Beratungen wirkten in einer äußerst kurzen Zeitspanne zusammen. Wie stark die einzelnen Faktoren die Kapitulationsentscheidung bestimmten, bleibt Gegenstand historischer Forschung.

Die Rundfunkansprache vom 15. August war noch keine Urkunde

Am 15. August hörte die japanische Bevölkerung erstmals die Stimme von Kaiser Hirohito im Radio. In der zuvor aufgezeichneten Ansprache teilte er mit, dass Japan die Bedingungen der Potsdamer Erklärung akzeptiere. Die ungewöhnlich formelle Sprache vermied eine direkte, leicht verständliche Kapitulationsformel, doch die politische Bedeutung war eindeutig: Die Regierung hatte beschlossen, den Krieg zu beenden.

Wegen der Zeitverschiebung wurde die Annahme der Kapitulationsbedingungen in den Vereinigten Staaten bereits am 14. August bekannt. Deshalb begegnen Lesern auch für diesen Abschnitt zwei Daten. Der 14. oder 15. August markiert die öffentliche Ankündigung und das faktische Ende der zentral geführten Kampfhandlungen; der 2. September steht für den formellen Abschluss.

Zwischen Ankündigung und Unterzeichnung mussten Befehle übermittelt, alliierte Truppenbewegungen koordiniert und die Kapitulationszeremonie vorbereitet werden. In einem Krieg, der sich über Inselgruppen und große Teile Asiens erstreckte, erreichte die Nachricht zudem nicht jeden Verband gleichzeitig. Lokale Kapitulationen und Entwaffnungen folgten teilweise erst später.

Auf der USS Missouri wurde die Kapitulation besiegelt

Am Morgen des 2. September 1945 lag die USS Missouri in der Bucht von Tokio. Dort unterzeichneten Vertreter Japans und der alliierten Mächte die Kapitulationsurkunde. Für Japan unterschrieben Außenminister Mamoru Shigemitsu im Namen des Kaisers und der Regierung sowie General Yoshijirō Umezu für das kaiserliche Hauptquartier.

General Douglas MacArthur unterzeichnete als Oberster Befehlshaber der alliierten Mächte. Weitere Unterschriften kamen von Vertretern der Vereinigten Staaten, Chinas, Großbritanniens, der Sowjetunion, Australiens, Kanadas, Frankreichs, der Niederlande und Neuseelands.

Die Urkunde dokumentierte Japans Annahme der Potsdamer Erklärung und die bedingungslose Kapitulation seiner Streitkräfte. Das US-amerikanische Nationalarchiv, die National Archives and Records Administration, führt dieses Dokument als einen historischen Meilenstein und bestätigt Ort und Datum der Unterzeichnung.

2. September 1945: Warum der Weltkrieg später endete

Der Akt auf dem Kriegsschiff war mehr als eine zeremonielle Wiederholung der August-Erklärung. Er schuf die formelle Grundlage für die alliierte Besatzung Japans, die Entwaffnung der Streitkräfte und die Umsetzung der Kapitulationsbedingungen. In dieser Bedeutung gilt der 2. September 1945 als weltweites Enddatum des Zweiten Weltkriegs.

Zwei Enddaten beschreiben unterschiedliche Ebenen

Der scheinbare Widerspruch zwischen dem 8. Mai und dem 2. September löst sich auf, wenn geografische und rechtliche Ebenen getrennt werden:

  • 8. Mai 1945: Ende der Kampfhandlungen gegen Deutschland und Kriegsende in Europa.
  • 14./15. August 1945: Bekanntgabe beziehungsweise öffentliche Verkündung der japanischen Kapitulationsentscheidung.
  • 2. September 1945: Unterzeichnung der formellen Kapitulationsurkunde Japans und globaler Abschluss des Krieges.

Keines dieser Daten ist bloß eine alternative Bezeichnung für denselben Vorgang. Sie verweisen auf verschiedene Kriegsschauplätze und auf unterschiedliche Schritte zwischen militärischer Niederlage, politischer Entscheidung und formeller Unterzeichnung.

Auch der Begriff „V-J Day“, also der Tag des Sieges über Japan, ist nicht überall gleich datiert. In den Vereinigten Staaten wurde die Nachricht von Japans Annahme der Bedingungen bereits am 14. August gefeiert, während die staatliche Kapitulationszeremonie am 2. September stattfand. In Japan besitzt der 15. August als Tag der Rundfunkansprache besondere Bedeutung.

Erinnerungskulturen lassen sich nicht gleichsetzen

In Deutschland wird der 8. Mai heute häufig als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und als Ende von Krieg und Diktatur in Europa verstanden. Diese Deutung entwickelte sich über Jahrzehnte und war in Ost- und Westdeutschland sowie zwischen politischen Gruppen keineswegs immer identisch.

Für Gesellschaften in Asien stehen andere Erfahrungen im Vordergrund: japanische Besatzung, Kolonialherrschaft, der Krieg in China, die Atombombenabwürfe, Gefangenschaft, Vertreibung und die Folgen der japanischen Kapitulation. Die jeweiligen Gedenktage spiegeln diese unterschiedlichen historischen Erfahrungen wider.

Der Vergleich der Daten hilft deshalb vor allem bei der zeitlichen Einordnung. Er bedeutet nicht, dass deutsche, japanische, chinesische, amerikanische oder andere nationale Erinnerungen dieselbe Bedeutung haben. Der 8. Mai erklärt das Ende des europäischen Krieges; der 2. September vervollständigt den Blick auf einen Weltkrieg, dessen letzter großer Kriegsschauplatz in Asien lag.

Quelle: National Archives and Records Administration

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