Eine etwas längere Ausatmung kann in einer ruhigen Situation helfen, das eigene Tempo bewusst zu reduzieren. Dafür genügt es, bequem zu sitzen, normal einzuatmen und die Luft anschließend sanft etwas länger ausströmen zu lassen. Es geht weder um besonders tiefe Atemzüge noch um möglichst lange Pausen.
Von der EuroSuc-Redaktion
Stand: 31. August 2026
Die Übung dauert nur wenige Minuten und eignet sich beispielsweise für einen stillen Sonntagabend vor einer arbeitsreichen Woche. Ihre Wirkung bleibt subjektiv: Manche Menschen empfinden das gleichmäßige Atmen als angenehm, andere bemerken wenig oder fühlen sich durch die Konzentration auf den Atem eher unruhig. Sie ist keine Behandlung für Stress, Angst oder andere Erkrankungen.
Vorbereitung: Ein ruhiger Platz ohne zusätzliche Anforderungen
Wählen Sie einen Moment, in dem Sie nicht fahren, keine Maschine bedienen und nicht im Wasser stehen oder liegen. Ein stabiler Stuhl, ein Sessel oder eine gut gestützte Sitzposition auf dem Sofa reichen aus. Die Füße können locker auf dem Boden stehen, während Hände und Schultern möglichst entspannt bleiben.
Lockern Sie einengende Kleidung, falls das angenehmer ist. Ein Timer ist nicht erforderlich. Wer dennoch einen verwendet, kann ihn zunächst auf zwei bis fünf Minuten stellen. Ein längerer Zeitraum bringt nicht automatisch einen größeren Nutzen.
Beobachten Sie vor dem eigentlichen Beginn zwei oder drei Atemzüge, ohne sie zu verändern. So lässt sich leichter erkennen, wie sich ein normaler Atemzug gerade anfühlt. Bereits hier gilt: Es gibt keine ideale Atemtiefe und keinen Rhythmus, den Sie erreichen müssen.
Sanfter Ablauf: Nur die Ausatmung leicht verlängern
Atmen Sie zunächst so ein, wie Sie es ohnehin tun würden. Ziehen Sie keine möglichst große Luftmenge ein. Lassen Sie die Luft anschließend ruhig ausströmen und verlängern Sie diesen Teil nur so weit, wie es ohne Druck angenehm bleibt.
Eine einfache Orientierung ohne starre Sekunden
Wer gerne zählt, kann beim normalen Einatmen beispielsweise bis drei und beim Ausatmen bis vier zählen. Das Verhältnis ist wichtiger als eine bestimmte Zahl. Fühlt sich bereits vier zu lang an, reichen auch zwei Zähleinheiten beim Einatmen und drei beim Ausatmen.
Der Ablauf kann so aussehen:
- Bequem und stabil hinsetzen.
- Zwei oder drei Atemzüge unverändert beobachten.
- Normal einatmen, ohne besonders tief Luft zu holen.
- Sanft etwas länger ausatmen, ohne die letzten Luftreste herauszupressen.
- Direkt wieder normal einatmen; eine Atempause ist nicht nötig.
- Fünf bis zehn angenehme Wiederholungen durchführen und anschließend zum natürlichen Atem zurückkehren.
Zwischen den Atemzügen muss die Luft nicht angehalten werden. Auch ein besonders langsames Ausatmen ist kein Ziel. Angenehm und mühelos ist wichtiger als eine genaue Zählung.
Wenn das Zählen Druck erzeugt, lassen Sie es weg. Eine andere Möglichkeit besteht darin, beim Ausatmen einen leisen inneren Satz wie „Jetzt etwas langsamer“ zu denken. Solange die Luft frei fließt und kein Gefühl von Mangel entsteht, bleibt die Übung niedrigschwellig.
Woran eine entspannte Ausatmung zu erkennen ist
Eine passende Intensität fühlt sich unspektakulär an. Gesicht, Kiefer und Hals bleiben locker; nach der Ausatmung entsteht kein dringender Wunsch, sofort tief Luft zu holen. Sie sollten währenddessen problemlos aufhören und wieder ganz normal atmen können.
Diese Hinweise helfen dabei, Leistungsdruck zu vermeiden:

- Die Lunge muss nicht vollständig geleert werden.
- Der nächste Atemzug darf von selbst kommen.
- Ein ungleichmäßiger Rhythmus ist kein Fehler.
- Gähnen, Seufzen oder ein normaler Zwischenatem dürfen zugelassen werden.
- Wenige angenehme Atemzüge reichen für einen Versuch aus.
Wer die Ausatmung ständig verlängert, obwohl bereits Luftnot entsteht, entfernt sich vom Zweck der Übung. Das Ziel ist ein subjektives Herunterfahren, kein Atemtraining und kein Test der eigenen Belastbarkeit.
Bei Schwindel, Kribbeln oder Luftnot sofort abbrechen
Die Übung sollte sofort beendet werden, wenn Schwindel, Kribbeln, Luftnot, Brustenge, Übelkeit, Benommenheit oder anderes Unwohlsein auftreten. Das gilt ebenso, wenn die Aufmerksamkeit auf den Atem zunehmende Angst, Panik oder starke innere Unruhe auslöst.
Atmen Sie dann ohne Zählung und ohne bewusste Verlängerung normal weiter. Setzen oder stellen Sie sich sicher hin und versuchen Sie nicht, die Übung noch „richtig“ abzuschließen. Ein Abbruch ist keine Fehlleistung, sondern die angemessene Reaktion auf ein Warnsignal.
Zu tiefes oder zu schnelles Atmen kann Beschwerden begünstigen, die mit Hyperventilation verbunden sein können. Deshalb sollte die Einatmung normal bleiben. Treten starke Beschwerden auf, klingen sie nicht zeitnah ab oder bestehen unabhängig von der Übung, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Bei einem akuten Notfall ist der örtliche Notruf zu wählen.
Medizinische Grenzen: Wann vorherige Rücksprache sinnvoll ist
Diese Atemübung dient der alltäglichen Entspannung in einer ruhigen Situation. Sie kann keine Atemwegs-, Herz-, Angst- oder Panikerkrankung diagnostizieren oder behandeln. Auch wiederkehrende Atemnot sollte nicht eigenständig mit Atemübungen überdeckt werden.
Menschen mit einer Atemwegs- oder Herzerkrankung sollten bei Unsicherheit vorab mit einer medizinischen Fachperson besprechen, ob und in welcher Form die Übung für sie geeignet ist. Das gilt auch für Personen, bei denen bewusste Atembeobachtung bereits Panik ausgelöst hat oder die entsprechende Beschwerden medizinisch behandeln lassen.
Individuelle medizinische Anweisungen haben Vorrang. Falls eine Fachperson eine andere Atemtechnik, bestimmte Grenzen oder den Verzicht auf solche Übungen empfohlen hat, sollte diese Empfehlung beachtet werden.
So passt die Übung in einen ruhigen Sonntagabend
Ein fester, aber unverbindlicher Anlass erleichtert die Anwendung. Möglich ist die Übung nach dem Weglegen des Laptops, vor der Planung des Montags oder nach dem Zähneputzen. Der Ort und der Zeitpunkt können gleich bleiben, ohne daraus eine Pflicht zu machen.
Für einen kurzen Übergang in den Abend reichen drei kleine Schritte:
- Benachrichtigungen für wenige Minuten stummschalten.
- Bequem hinsetzen und fünf bis zehn sanfte Atemzüge versuchen.
- Danach normal weiteratmen und prüfen, ob sich der Körper ruhig, unverändert oder unwohl anfühlt.
Es ist nicht notwendig, unmittelbar gelassen oder müde zu werden. Bleibt eine beruhigende Wirkung aus, muss die Übung weder verlängert noch intensiver durchgeführt werden. Ein kurzer Spaziergang, ruhige Musik oder eine Pause ohne Bildschirm können für manche Menschen besser passen.
Die Übung lässt sich jederzeit auslassen. Gerade vor einer vollen Woche besteht ihr praktischer Wert darin, für wenige Minuten weniger zu leisten – nicht darin, ein weiteres Ziel perfekt zu erfüllen.
Quelle: Editorial research
Kommentare